Gustav Doré


Teil I: Gott sorgt für Mose
  1. Schutz in der Verfolgung
  2. Gott sorgt auch für Dich
Teil II: Mose sorgt sich um Israel
  1. Mose ging zu seinen Brüdern
  2. Was sind deine Sorgen?
Teil III: Gott sorgt für Israel – durch Mose
  1. Gott nahm sich ihrer an
  2. Durch den, der verworfen wurde

 
Mose wird geboren: Gott sorgt für Israel - durch Mose

Lesen wir den Text: 2. Mose 2:11-25
 
 
Teil I: Gott sorgt für Mose
 
„Es geschah aber zu der Zeit, als Mose erwachsen geworden war...“ (2:11)
 
Bis dahin ist im Leben von Mose und im Leben des Volkes Israel viel passiert. In den letzten Predigten haben wir von der Herrschaft des Joseph gehört. Die Zeiten haben sich geändert. Die Generation des Joseph ist verstorben. Auch der Pharao von damals lebt nicht mehr. Ein neuer Mann ist König über Ägypten geworden, der „nichts von Joseph wusste.“ (1:8) Einer, der sich nicht daran erinnert, was Joseph den Ägyptern Gutes getan hatte. Einer, der nichts davon weiß, dass Israel zu diesem Joseph gehört. Der neue Pharao hat keine gute Beziehung zu Israel, im Gegenteil.
 
Israel wurde zahlreich und in den Augen der Ägypter zur Bedrohung. Es kam zur Verfolgung der Israeliten. Erst befahl der Pharao den hebräischen (!) Hebammen, sie sollten die Söhne ihrer hebräischen Schwestern gleich nach der Geburt töten. Weil sie das aber nicht taten, befahl der Pharao dem eigenen Volk, alle männlichen Neugeborenen der Hebräer in den Nil zu werfen. Das Ziel Ägyptens war nicht weniger als die Ausrottung des Volkes Israel.
 
In diese Situation hinein ist Mose geboren. Was sollten seine Eltern tun? Ganz bestimmt hatte es auch für die Eltern Konsequenzen, wenn sie ihren Sohn versteckt halten. Hatten sie denn keine Angst vor dem König Ägyptens und vor der Verfolgung? Nein, hatten sie nicht.
 
„Durch Glauben wurde Mose nach seiner Geburt von seinen Eltern drei Monate lang verborgen gehalten, weil sie sahen, dass er ein schönes Kind war; und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht.“ - Hebräer 11:23
 
Die Eltern des Mose hatten Glauben an Gott, und den hat man gesehen. Nicht nur, dass sie ihren Sohn drei Monate versteckt hielten – ohne Furcht vor der Verfolgung. Nach drei Monaten „konnten sie ihn nicht länger verbergen“ und übergaben ihren Sohn ganz in die Hand Gottes.
 
Sie bauten ein Kästchen, legten Mose hinein und setzten ihn am Ufer des Nils aus. Sehr interessant ist das hebräische Wort für „Kästchen“ - es wird sonst nur für die Arche Noah verwendet. Wie damals Noah in der Arche überlebte, so Mose in dem Kästchen. Klein und hilflos schwimmt das Baby auf dem Nil, aber Gott hält seine schützende Hand darüber.
 
Die Tochter des Pharao entdeckt Mose und seine Schwester holt seine eigene Mutter als Amme, damit sie ihn stillt und großzieht. Die Mutter bekommt sogar einen Lohn dafür! Was eine wundersame und wunderbare Führung Gottes! Ein großes Wunder inmitten des Leidens.
 
Gott sorgt für Mose. Mehr noch, von Geburt an hat Gott den Mose erwählt. Wie sonst ist das alles zu erklären? Warum sind so viele andere Neugeborene gestorben, Mose aber nicht? Was hatte Mose den anderen voraus? Warum gerade Mose? Gott handelt nicht willkürlich, aber er ist souverän. Gott ist der Töpfer, wir sind nur der Ton. Und Gott hatte entschieden, aus dem Mose etwas Schönes zu formen.
 
Glaubst Du an Jesus Christus? Dann sorgt Gott auch für Dich. Mehr noch, er hat auch Dich erwählt, sagt uns die Bibel. Das bedeutet nicht, dass Gott dem Christen immer ein leichtes Leben schenkt. Auch für die Familie des Mose waren es schlimme Zeiten. Erst das Versteckspiel, dann das Loslassen nach drei Monaten. Als Mose größer wurde, musste die Mutter ihn der Tochter des Pharao zurückgeben. Wie würde er sich dort entwickeln?
 
Es ist auch für uns nicht immer einfach. Aber Gott hat wundersame und wunderbare Wege und ist mächtig, auch in der schlimmsten Verfolgung zu bewahren. Vertrauen wir auf Gott, handeln wir im Glauben. Widersetzen wir uns den Geboten der Politiker wenn es sein muss, und lassen wir los, wie die Eltern damals Mose losgelassen haben.
 
Dem Noah hatte Gott eine Arche gebaut. Mose hatte ein Kästchen, in dem er mitten im Nil überlebte. Auch Dir hat Gott eine Arche, ein Kästchen bereitet – in Jesus Christus!
 
 
Teil II: Mose sorgt sich um Israel
 
„Als Mose erwachsen geworden war, ging er hinaus zu seinen Brüdern.“ (2:11a)
 
Vierzig Jahre alt ist Mose, als er hinausgeht – aus dem Haus des Pharao – und nach seinen „Brüdern“ schaut. Wer sind seine Brüder? Nicht die Ägypter, sondern die Hebräer.
 
Und er sah, daß ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Brüder.“ (2:11b)
 
Das geht ans Herz, wenn einer deinen Bruder schlägt, oder? Mose ging es ans Herz, dass er sich einsetzt und den Ägypter erschlägt. Mose konnte nicht einfach nur zusehen, er musste etwas tun. Er wollte Recht schaffen und dem unterdrückten Bruder helfen:
 
Und als er einen Unrecht leiden sah, wehrte er es ab und schaffte dem Unterdrückten Recht, indem er den Ägypter erschlug. Er meinte aber, seine Brüder würden es verstehen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; aber sie verstanden es nicht.“ - Apostelgeschichte 7:24f.
 
Die Hebräer verstanden es nicht, der Mord wurde bekannt und Mose musste in die Wüste fliehen. Auch dort sorgte Gott für Mose und bereitete ihn 40 Jahre auf seinen großen Dienst vor, den Auszug des ganzen Volkes Israel aus Ägypten durch die Wüste in Richtung Kanaan.
 
Mose sah also die Verfolgung Israels in Ägypten und es ging ihm ans Herz. Mose sorgte sich um Israel. Aber warum eigentlich? Warum lebt er nicht sein eigenes Leben? Er konnte doch zufrieden sein. Bei der Tochter des Pharao wurde er „in aller Weisheit der Ägypter unterrichtet und war mächtig in Worten und Werken.“ (Apg 7:22) Warum mischt er sich denn bloß in fremde Angelegenheiten ein?
 
Für Mose waren es keine „fremden Angelegenheiten“, es waren seine Brüder. Er hat seine Herkunft, seine Familie, seinen Glauben an den Gott Israels nicht vergessen, auch die Verheißungen nicht:
 
Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter des Pharao zu heißen. Er zog es vor, mit dem Volk Gottes Bedrängnis zu erleiden, anstatt den vergänglichen Genuss der Sünde zu haben, da er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze, die in Ägypten waren; denn er sah die Belohnung an.“ - Hebräer 11:24-26
 
Versetzen wir uns in seine Situation. Er lebte sicher im höchsten Haus der Ägypter – er brauchte keine Verfolgung zu fürchten. Er lebte gut versorgt inmitten von ägyptischen Schätzen – keine Sklavenarbeit, keine Unterdrückung. Seine Zukunft war gesichert, er brauchte sich keine Sorgen zu machen. Und ganz bestimmt konnte er seinen Spaß haben, Feste feiern, Alkohol trinken, singen und tanzen, auch mit vielen Frauen leben (vgl. den „Genuss der Sünde“).
 
Auf der ägyptischen Seite also alles, was der menschliche Durchschnitt sich heute so wünscht: Sicherheit, Reichtum, Vergnügen. Auf der hebräischen Seite aber Sklaverei, Verfolgung, Armut. Und nun wechselt Mose die Seite – hin zu seinen Brüdern. Er sah die göttlichen Verheißungen an, die ewige Belohnung und die Vergänglichkeit des ägyptischen Lebens. Mose hatte Glauben, und den hat man gesehen. Ein Vorbild? Ja, aber folgst Du ihm?
 
Worum sorgen wir uns? Um andere, oder doch meistens nur um uns selbst – um unsere Sicherheit, unser Geld, Vergnügen, unsere Karriere, unser Ansehen? „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“, hatte schon Kain gefragt, nachdem er Abel erschlagen hatte.
 
Wenn wir uns aber um andere sorgen, dann um wen? Wer sind unsere Brüder? Die Ägypter oder die Hebräer, die Ungläubigen oder die Gläubigen? Was hatte Jesus gesagt, als seine Familie nach ihm suchte? „Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und Mutter.“ (Mk 3:35)
 
Hier wird es ganz praktisch. Wir Deutschen leben in einer Kultur des Individualismus. Die meisten leben für sich selbst und der Einzelne ist wichtiger als die Gemeinschaft. Wenn aber Gemeinschaft gelebt wird, dann in der Familie. Die Familie steht – nach meiner Beobachtung – auch unter Christen höher als die Gemeinschaft der Gläubigen. Weihnachten und Ostern sind eher Familien- als Gemeindefeste, in den Ferien fährt man in den Urlaub wegen der Familie, manche geben ihre missionarische Berufung auf wegen ihrer Kinder, und eine Feier in der Familie ist für die meisten ganz selbstverständlich ein Grund, eine Veranstaltung in der Gemeinde ausfallen zu lassen. Jesus aber sagt, die Gläubigen sind wichtiger als die Ungläubigen, selbst wenn es die Familie betrifft. (vgl. Mt 8:22; 10:37)
 
Sorgen wir uns um unsere Brüder? Pflegen wir Gemeinschaft mit ihnen, haben wir Zeit für sie? Interessen wir uns für ihre Situation und Probleme, fragen wir mal nach? Beten wir für unsere Brüder und wenn ja, aus einer Pflicht oder aus einer echten Sorge heraus? Wir werden nicht verfolgt wie damals die Hebräer, aber wir leben in der Verführung – ist es uns egal, was die Brüder machen und wie sie leben? Was, wenn wir aus Sorge um unsere Brüder Sicherheiten aufgeben müssen? Ich denke an die Mitarbeiter von Open Doors, die ganz bewusst in Länder mit Christenverfolgung gehen, um ihre Brüder zu stärken. Was, wenn es uns Geld kostet? Denken wir an die Gemeindearbeit und die Unterstützung von Missionaren. Wie ist unsere Opferbereitschaft und unsere (Mit-)Leidensbereitschaft in der Sorge um unsere Brüder?
 
Mose hatte vieles aufgegeben, um mit seinen Glaubens-Brüdern zu leben. Er hatte Glauben an den Gott seines Volkes Israel, und den hat man gesehen. Mose konnte seinen Glauben aus seinen Werken beweisen. (Jak 2:18) Hast Du Glauben, den man sehen kann?
 
 
Teil III: Gott sorgt für Israel – durch Mose
 
Gott sorgte für Mose und Mose sorgte sich um Israel. Aber auch Gott sorgte sich um Israel. Mose lebte ganz nach dem Herzen Gottes. Seine Sorge und die Sorge Gottes waren dieselben. Mose sah das Leiden des Volkes Israel, und Gott hatte es schon längst gesehen:
 
Und Gott erhörte ihr Wehklagen, und Gott gedachte an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Und Gott sah auf die Kinder Israels, und Gott nahm sich ihrer an.“ (2:24f.)
 
Gott hörte, gedachte an den Bund (wir leben in einer Bundesbeziehung), sah auf seine Kinder, und er nahm sich ihrer an. Gott ist barmherzig. Er sieht und hört alle Dinge, und es bewegt ihn. Er tut etwas. Er sendet Hilfe. Wie sendet er Hilfe? Er sorgt für Mose und beruft ihn später, das Volk Israel aus Ägypten durch die Wüste zum verheißenen Land in Kanaan zu führen.
 
Drei Punkte sind interessant:
 
1. Gott „nahm sich ihrer an“ bedeutet hier, er gebraucht Menschen, um zu helfen. Manchmal tut er auch ein Wunder ohne menschliches Zutun, aber in der Regel hilft Gott, indem er seine Kinder zum Handeln beauftragt. So ist es auch bis heute, in Gemeinde und Mission.
 
2. Nur ein Mensch macht den Unterschied, und das ist in diesem Fall Mose. Gott braucht keine große Armee von Leuten, es reicht ein kleines Volk und hier sogar nur ein einziger Mensch. Von Geburt an sorgt Gott für diesen Menschen und trägt ihn bis an sein Lebensende hindurch, einen wunderbaren und großen Dienst an einem ganzen Volk zu tun.
 
3. Gott sorgte durch den, den sie verworfen haben. Das wird in der Apostelgeschichte sogar ausdrücklich betont: „Diesen Mose, den sie verwarfen, indem sie sprachen: 'Wer hat dich zum Obersten und Richter eingesetzt?' - diesen sandte Gott als Obersten und Erlöser...“ Wurde nicht auch Jesus Christus verworfen? Haben die Menschen nicht den gekreuzigt, durch den viele hinterher gerettet wurden? War es nicht bei Paulus so? Und bei Dir?

 
Schlussgedanken
 
(1) Glaubst Du an Jesus Christus, bist Du Christ? Dann sorgt Gott für Dich. Von Geburt an bis zu deinem Lebensende, wie bei Mose. (2) Wenn Du Christ bist, dann sorgst Du dich um deine Brüder, auch wie Mose. Dann schaust Du hin und tust etwas für sie. Du betest für sie. Du verlässt die Sünden dieser Welt, um in der Gemeinschaft der Gläubigen zu leben und gemeinsam die ewige Belohnung zu erwarten. (3) Und schließlich sorgt Gott nicht nur für Dich, sondern auch für die ganze Gemeinschaft der Gläubigen. Wenn Du das Herz Gottes hast, wird er Dich berufen und gebrauchen, ein Segen für sein Volk zu sein.
 
Amen.


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