Gustav Doré


Teil I: Die Geschichte von Joseph

  1. Joseph übernimmt Verantwortung
  2. Joseph verherrlicht und ehrt Gott
Teil II: Die (Heils-)Geschichte Gottes
  1. Stationen Israels und der Gemeinde
  2. Stationen im Leben des Einzelnen
Teil III: Die eigene Geschichte
  1. Wo übernehmen wir Verantwortung?
  2. Zur Ehre Gottes und seiner Verherrlichung?

 
Joseph versorgt die Familie: Joseph - Allein Gott die Ehre

Hier die letzte von fünf Predigten über die Geschichte von Joseph:
  1. Verkauft (und gefangen) wie Jesus
  2. Juda beging Ehebruch, Joseph blieb treu
  3. Der Geist und die Weisheit Gottes in Joseph
  4. Die Härte des Joseph gegenüber seinen Brüdern
  5. Versöhnung und Rettung des Volkes Israel
Lesen wir den Text: 1. Mose 45:1-18
 
Teil I: Die Geschichte von Joseph
 
Komm zu mir herab, zögere nicht! … Ich will dich mit Nahrung versorgen!“ (45:9.11)
 
So also endet die Geschichte von Joseph. Gehasst und verkauft von seinen Brüdern, für tot erklärt und fast vergessen, jahrelang als Sklave gedient, unschuldig im Gefängnis ausgeharrt und nun wieder mit den Brüdern und der Familie versöhnt und derjenige, der die ganze Familie durch die große Hungersnot hindurch versorgen wird. Was eine Karriere!
 
Und was ein Charakter! Er blieb Gott treu, handelte ehrlich und übernahm Verantwortung. Schon damals in der Familie war er der Ehrliche unter seinen Brüdern. Als Sklave hatte er gut gedient und war ein Segen für Potiphar. Er blieb treu, als Potiphars Frau ihn verführen wollte. Joseph kam unschuldig ins Gefängnis und diente dort genauso gut, zum Segen für viele. Und schließlich kam er vor den Pharao und übernahm Verantwortung für ganz Ägypten.
 
Seine guten Taten finden ihren Höhepunkt, als er seine eigene Familie nach Ägypten holt und genau diejenigen versorgt, die ihn verkauft hatten. Er straft sie nicht, sondern vergibt ihnen und tut ihnen Gutes. Das ist Feindesliebe und Vergebungsbereitschaft, wie Jesus sie im Neuen Testament predigt.
 
In gewisser Hinsicht hat er sich durch sein vorbildliches Leben seine Karriere doch verdient – oder nicht? Wer, wenn nicht Joseph? Wenn heute unter uns jemand ein gutes Leben führt, hart arbeitet, aber viel Unrecht leidet, dann sein Leben sich aber zum Guten wendet – denken wir dann nicht, der hat es „verdient“, dem „gönne“ ich das?
 
Und denken dann nicht viele auch so von sich selbst?

„Das habe ich mir verdient. Ich tue nur Gutes, bin nett zu allen Menschen, spende fleißig, zahle immer meine Steuern. Ich habe nie einem Menschen etwas Böses getan. Endlich geht es mir mal gut. Wurde auch Zeit. Ich habe doch genug gelitten.“
 
Wie denkt und spricht Joseph? Die Betonung ist nicht zu übersehen:
 
„Zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch her gesandt!“ - 45:5
„Aber Gott hat mich vor euch hergesandt … um euch am Leben zu erhalten.“ - 45:7
„Nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott.“ - 45:8
„Gott hat mich zum Herrn über ganz Ägypten gesetzt.“ - 45:9
 
Dasselbe betont Joseph auch nach dem Tod seines Vaters und sagt zu seinen Brüdern:
 
Fürchtet euch nicht! Bin ich denn an Gottes Stelle? Ihr gedachtet mir zwar Böses zu tun; aber Gott gedachte es gut zu machen, um es so hinauszuführen, wie es jetzt zutage liegt, um ein zahlreiches Volk am Leben zu erhalten.“ - 1. Mose 50:19f.
 
Joseph sagt nicht, „das hab ich mir verdient.“ Er sagt auch nicht, „Gott hat mich bevorzugt und euch nicht. Gott hat mich zum Herrscher gemacht, euch nicht.“ Joseph ist kein Rechthaber, nicht hochmütig oder stolz auf seine Karriere. Er schaut überhaupt nicht auf sich und vergleicht sich auch nicht mit seinen Brüdern, sondern schaut allein auf Gott.
 
Dazu muss er das Handeln Gottes zunächst einmal sehen. Joseph tritt einen Schritt hinter seine eigene Geschichte zurück und denkt über Gott nach. Er erinnert sich an seinen Traum damals. Er hat anderen ihre Träume ausgelegt und weiß, dass er diese Gabe von Gott hat. Er sieht in der angekündigten Hungersnot das Handeln Gottes. Auch dass seine Brüder endlich vor ihm stehen, ist Gottes Plan gewesen. Und so gibt Joseph Gott allein die Ehre für alles:
 
„Gott hat es gut gemacht, um ein zahlreiches Volk am Leben zu erhalten.“
 
Teil II: Die (Heils-)Geschichte Gottes
 
Gott handelt in der Geschichte mit seinem Volk. Schauen wir zurück. Es beginnt mit der Berufung Abrahams und den Verheißungen von Land und Volk. Gott wird die Nachkommen zahlreich machen und ihnen das verheißene Land schenken – Kanaan, das heute das Land Israel ist. Heute sehen wir, wie treu Gott mit seinem Volk gehandelt hat. Oft können wir sagen: „Gott hat es gut gemacht, um sein Volk am Leben zu erhalten.“
 
Schauen wir auf Gottes Bewahrung seines Volkes, auch vor und nach Joseph:
 
Abraham erlebt in Kanaan eine große Hungersnot, er flüchtet nach Ägypten. (12:10)
Isaak wurde geboren, als Abraham und Sarah schon viel zu alt dafür waren. (16:2; 18:12)
Gott prüfte den Abraham, er sollte seinen Sohn Isaak opfern. (22:12)
Der Knecht Abrahams fand die Rebekka für den Isaak. (22:15)
Rebekka war wie Sarah unfruchtbar, doch Gott schenkte den Jakob und Esau. (25:21)
In der Familie Isaak und Jakob: Betrug, Neid, Zwietracht, Gewalt, Mord, Lüge, Hurerei.
Joseph sollte von seinen Brüdern getötet werden. (37:20)
Dann diese Hungersnot, in der Gott das Volk durch Joseph (mehr als) gerettet hat:
 
„So will ich euch das Beste des Landes Ägypten geben,
und ihr sollt das Fett des Landes essen.“ (45:18)
 
Danach die Sklaverei in Ägypten. Männliche Neugeborene wurden getötet. (2. Mose 1:16)
Der Auszug aus Ägypten und das harte Überleben des Volkes Israel 40 Jahre in der Wüste.
Viele Kriege – mit Assyrien und Babylon. Bis heute soll Israel vernichtet werden.
Gefangenschaft und Zerstreuung, danach die Sammlung und der Wiederaufbau. (=> 1948)
Jesus kommt als hilfloses Baby zur Welt und sollte gleich getötet werden. (Matthäus 2:16)
Durch viele Gefahren hindurch wird Jesus bis zum Opfertod bewahrt.
Dann die Verfolgung (und Verführung) der Gemeinde, bis heute.
 
Seht ihr die Bewahrung, Fürsorge und Souveränität Gottes? Unser Leben hängt ganz oft am „seidenen Faden“. Die ganze Geschichte Israels, das Leben von Jesus, die verfolgte Urgemeinde und auch die heutige Gemeinde hängt am „seidenen Faden“. Es ist wirklich so:
 
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ - Jesaja 42:2
 
Wie oft ist das Volk Gottes eingeknickt, aber nie zerbrochen. Das Feuer glimmt nur noch, aber der Feind kann es einfach nicht komplett auslöschen. Das Evangelium geht weiter.

Schaffen wir es, auch hinter unsere eigene Geschichte zu sehen und Gottes Handeln zu entdecken? Wie oft hat Gott uns vor dem Bösen bewahrt? Waren einige von uns nicht schon in Lebensgefahr? Hat Gott nicht durch so manche Hungersnot hindurchgetragen? Und wie sind die Stationen bis zu unserer Rettung gewesen? Welche Wege ist Gott mit uns gegangen, dass wir das Evangelium bekommen haben? Wohin hat Gott uns geführt, welche Christen hat Gott uns zur Seite gestellt? Haben wir Traktate bekommen, ein Buch lesen dürfen, eine Predigt uns angesprochen?
 
Wie hat Gott uns am Leben erhalten? Wie hat er uns die Wiedergeburt und das ewige Leben geschenkt? Gott schenkt uns den rettenden Glauben und er bewahrt uns diesen Glauben. Gott führt uns in die Gemeinde und bewahrt die Gemeinde. An manchen Orten werden die Türen einer alten Gemeinde vielleicht geschlossen, aber in der nächsten Straße hat Gott schon wieder vorgesorgt und eine andere Tür geht wieder auf. Das christliche Zeugnis an so vielen Orten dieser Welt will der Feind wohl vernichten, aber es geht immer weiter.
 
Teil III: Die eigene Geschichte
 
Was ist dein Platz in Gottes Geschichte? Kannst Du von deinem Leben sagen: „Gott hat es gut gemacht, um sein Volk am Leben zu erhalten.“
 
Wie ist deine „Karriere“? Was hast Du erlebt, und welche Gaben, Aufgaben und Möglichkeiten hat Gott Dir gegeben? Was sind deine Talente und wie setzt Du sie ein? Hast Du sie Dir etwa verdient oder nicht vielleicht bekommen, damit Gott auch durch Dich „ein Volk am Leben erhält“? Übernimmst Du christliche Verantwortung? In der Familie, in der Gemeinde, in der Stadt? Gott gibt uns, damit wir es einsetzen zu seiner Ehre und zum Wohl seines Volkes.
 
Nimm Dir an Joseph ein Beispiel und sieh Gottes Handeln in deiner Geschichte. Und sei nicht stolz auf Dich, sondern sei wie Joseph – oder Paulus, der den Korinthern schreibt:
 
„Was besitzt du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast,
was rühmst du dich, als ob du es nicht empfangen hättest?“ - 1. Korinther 4:7
 
Über sich selbst sagt Paulus (und Josephs Einstellung war sicher dieselbe):
 
„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ - 1. Korinther 15:10
 
Unser ganzes Leben ist Gnade. Unsere Möglichkeiten und Fähigkeiten sind Gnade. Es ist Gnade, wenn wir in einer Gemeinde dienen dürfen. Und gerade auch die Erhaltung und Bewahrung unseres christlichen Glaubenslebens ist nichts als Gnade.
 
Gott führt auch uns, um ein Volk am Leben zu erhalten. Er führt die Gemeinde, damit die Wahrheit des Evangeliums weiterhin verkündigt wird. Gott gebraucht uns, damit Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen und gerettet werden! Gott bewahrt uns und erhält sein Volk am Leben, auch wenn wir „am seidenen Faden hängen.“
 
Die gesamte Geschichte über Joseph lehrt uns drei Dinge. Erstens führt sie uns Joseph als leuchtendes Vorbild vor Augen, besonders seine demütige Treue und die Verantwortung, die er nicht gescheut hat. Zweitens ist Joseph typologische Prophetie auf Jesus Christus hin, besonders seine Vergebungsbereitschaft und die Feindesliebe gegenüber seinen Brüdern. Und drittes, das Wichtigste, zeugt die ganze Geschichte von Gottes großer Treue, Gnade und besonders seiner Souveränität.
 
Soli Deo Gloria – Allein Gott die Ehre.
 
Amen.


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