Gustav Doré


Teil I: Wer weise ist, fragt Gott

1. Josephs Quelle der Weisheit
2. Die Unkenntnis der Heiden

Teil II: Wer weise ist, dient den Menschen

3. Joseph als Sklave, Gefangener, Herrscher
4. Joseph dient den Heiden in Ägypten

Teil III: Wer weise ist, übernimmt Verantwortung

5. Gott verlangt viel von dem Weisen
6. Gott gibt die Weisheit, die er verlangt
 



Joseph der Traumdeuter: Gott gibt Offenbarung und Weisheit

Hier die dritte von fünf Predigten über die Geschichte von Joseph:

1. Verkauft (und gefangen) wie Jesus
2. Juda beging Ehebruch, Joseph blieb treu
3. Der Geist und die Weisheit Gottes in Joseph
4. Die Härte des Joseph gegenüber seinen Brüdern
5. Versöhnung und Rettung des Volkes Israel

Bevor wir über die Weisheit Josephs lesen, einige Gedanken über die Weisheit:
 

Wohl dem Menschen, der Weisheit findet,
   dem Menschen, der Einsicht erlangt!

Denn ihr Erwerb ist besser als Gelderwerb,
   und ihr Gewinn ist mehr wert als feines Gold!

Sie ist kostbarer als Perlen,
   und alle deine Schätze sind ihr nicht zu vergleichen!

- Sprüche 3:13-15

Was bedeutet Dir Weisheit?

Heute wird ja alles in Geld umgerechnet, deshalb frage ich: Wenn Du Weisheit kaufen könntest, wieviel würdest Du bezahlen? Und bei wem würdest Du Weisheit kaufen wollen?

Die Bibel sagt, Weisheit ist wertvoller als Feingold und Perlen. Weisheit ist mit den materiellen Schätzen nicht zu vergleichen. Weisheit ist so wertvoll, dass man sie mit Geld nicht kaufen kann. (Hiob 28) Man kann heute Unmengen von Daten kaufen, Informationen sammeln, studieren und sich Wissen aneignen, aber das ist keine Weisheit.

Die Weisheit fragt nach der Bedeutung des Wissens, der Relevanz von Informationen, nach dem Lebens-Sinn und Lebens-Entscheidungen. Der rauchende Arzt weiß zwar, dass Rauchen schädlich ist. Er hat also Wissen. Er ist aber nicht weise genug, deswegen damit aufzuhören.

Weisheit hat großen Seltenheitswert:

Gold und Perlen gibt es in Menge,
   aber ein kostbarer Schmuck sind verständige Lippen.“

- Sprüche 20:15

Die Bibel berichtet uns von Menschen mit Weisheit. Joseph ist ein Beispiel. Wir erinnern uns, er wurde von seinen Brüdern verkauft und dann nach Ägypten geführt, wo er bei Potiphar als Sklave gedient hat. In der letzten Predigt haben wir die Torheit und den Ehebruch von Juda und Tamar mit der Weisheit und der Treue von Joseph verglichen. Die Frau des Potiphar wollte Joseph zum Ehebruch verführen, aber Joseph ist geflohen. Aus Rache beschuldigte die Frau Joseph zu Unrecht und Joseph kam unschuldig ins Gefängnis.

„Aber der Herr war mit Joseph … und ließ alles gelingen, was er tat.“ - 1. Mose 39:21-23

Wie schon zuvor bei Potiphar ist Joseph auch im Gefängnis alles anvertraut worden und er wurde in die zweithöchste Stellung eingesetzt.

Lesen wir weiter: 1. Mose 40:1-8; 41:15-16; 41:37-41

Teil I: Wer weise ist, fragt Gott

Zweimal legt Joseph Träume aus, und an drei Stellen wird betont, dass Gott ihm die Weisheit zur Traumdeutung schenkt. (40:8; 41:16; 41:39) Gott spricht zu den Gefangenen und zu dem Pharao durch Träume und wir müssen beachten, dass wir uns in Ägypten befinden! Es war ein heidnisches Umfeld und es gab dort keine Offenbarungen Gottes, keine Propheten und keine Bibel (AT). Nur zweimal berichtet uns die Bibel von Traumdeutungen, einmal durch Joseph und das andere mal durch Daniel – in Babylon! Auch heute noch offenbart sich Gott einigen Menschen durch Träume, aber es ist die Ausnahme und nicht die Regel. Wir haben das Wort Gottes, die Bibel.

Das Prinzip ist dasselbe: Gott spricht und offenbart sich und wem Gott Verständnis schenkt, der legt es anderen Menschen aus. Die Heiden lesen heute die Bibel, brauchen aber Ausleger um es zu verstehen. Denken wir an den Kämmerer aus Ägypten. (Apg 8:31) Und bis heute schenkt Gott Prediger und Lehrer im besonderen Dienst am Wort Gottes.

Weisheit hat also mit Gott zu tun. Sowohl der Traum kommt von Gott als auch ihre Deutung. Die Bibel kommt von Gott und die Gabe, sie zu verstehen. Gott ist die Quelle der Weisheit. Wer weise ist, fragt Gott. Und wer Gott nicht fragt, kann niemals weise sein!

Stellen wir uns eine Welt ohne Offenbarung Gottes vor, eine Welt ohne Gewissen und ohne Bibel! Was eine Orientierungslosigkeit! Es gäbe keine Antworten auf die großen Fragen des Lebens, auch keine moralischen Normen. Alles wäre relativ egal, und je mehr die Menschen die Bibel aus ihrem Leben verdrängen, desto mehr steuern wir diesem Chaos entgegen.

Irgendwann ist es soweit:

„Siehe, es kommen Tage, spricht GOTT, der Herr, da werde ich einen Hunger ins Land senden; nicht einen Hunger nach Brot, noch einen Durst nach Wasser, sondern danach, das Wort des HERRN zu hören. Da wird man hin und her wanken von einem Meer zum anderen und umherziehen vom Norden bis zum Osten, um das Wort des HERRN zu suchen, und wird es doch nicht finden.“

- Amos 8:11f.

Die Bibel spricht im Neuen Testament von der Entrückung aller Christen aus dieser Welt hinaus. Wir werden dem Herrn Jesus entgegengehen, und dann wird es kein christliches Zeugnis in dieser Welt mehr geben. Dann wird es keine Weisheit, kein Salz und kein Licht mehr in der Welt geben. Wohl dem, der dann in Jesus Christus gerettet ist.

Einen Vorgeschmack von solcher Orientierungslosigkeit bekommt hier der Pharao. Sein Geist war sehr beunruhigt nach seinem Traum, also ließ er alle sog. Wahrsager, Zeichendeuter, Schriftkundigen, Magier, und „alle seine Weisen“ rufen. „Aber da war keiner, der dem Pharao den Traum deuten konnte.“ (41:8)

Weisheit gibt es nur bei Gott. Suchen wir ihn, solange er sich finden lässt.

Teil II: Wer weise ist, dient den Menschen

Gott schenkt Joseph Weisheit, und mit dieser Weisheit dient Joseph den Menschen. Zuerst bei Potiphar, dann im Gefängnis, zuletzt beim Pharao. Erst als Sklave, dann als Gefangener, zuletzt als Herrscher. Es ist derselbe Joseph, dreimal in zweithöchster Position, nur an anderen Orten und mit anderen Aufgaben! Natürlich war die Position als Herrscher angenehmer als die Erniedrigung zuvor, aber seine Art zu Leben und seine Weisheit war dieselbe. Joseph hatte sie von Gott, und er gibt davon weiter an die Heiden in Ägypten.

Was dürfen wir von Joseph lernen?

Zuerst noch einmal die Frage, was uns die Weisheit eigentlich bedeutet. Wie wertvoll ist uns Weisheit? Und was denken wir, wo wir sie bekommen?

Jugendliche verbringen heute mehr als 4 Std. täglich vor Computer und Fernseher. Sie kennen die neuesten Handys, iPads, Spielekonsolen und wissen, wer was gestern auf Facebook gepostet und wieviele „Likes“ er dafür bekommen hat. Sie kennen die Fußball-Ergebnisse und Bundesliga-Tabelle aber nicht, was in der Bibel steht. Sie gehen auf jede Party aber zu keinem Gottesdienst. Bei ihren Freunden wollen sie beliebt sein, Gott aber ist ihnen egal.

Unterscheiden wir uns von diesen Menschen? Oder ist Gott uns auch egal geworden? Schätzen wir die Bibel und verbringen wir Zeit mit Christen und mit Gott? Wenn wir uns mit den Menschen oder in der Familie unterhalten, worüber reden wir? „Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mensch.“ (Mt 12:34) Wovon wir reden zeigt, was uns wichtig ist.

Wir haben Zugang zur kostbaren Weisheit! Wir haben die Bibel, durch Jesus Christus dürfen wir beten, in uns wohnt der Heilige Geist! Gott gibt uns sogar eine Verheißung:

„Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.“ - Jakobus 1:5

Haben wir von Gott Weisheit bekommen, dann haben wir auch die Aufgabe, wie Joseph mit unserer Weisheit den Menschen zu dienen – egal ob als Sklave, Gefangener oder Herrscher. Christen sind nicht von dieser Welt, aber sie leben noch in dieser Welt. Und wo Gott uns hingestellt hat, sollen wir in Treue und Weisheit leben und dienen. Gott segnet uns, und wir sollen den Menschen ein Segen sein. Nicht nur in der Gemeinde, auch in „Ägypten“.

Das Wichtigste: Haben wir das Evangelium, dann haben wir auch die Aufgabe, es weiterzugeben. Paulus schreibt, er ist den Menschen das Evangelium „schuldig“. (Röm 1:14) Er ist „dazu verpflichtet“. (1 Kor 9:16) Wie stehen wir dazu?

Gott gibt uns Weisheit, und wir sollen sie weitergeben.

Teil III: Wer weise ist, übernimmt Verantwortung

In Weisheit zu dienen kann auch bedeuten, Verantwortung zu übernehmen. Solange ich Sklave oder Gefangener bin kann ich vielleicht nicht das tun, was ich in Weisheit gerne tun würde. Aber sobald Gott mich in eine Stellung beruft, in der ich Verantwortung übernehmen soll, muss ich sie auch übernehmen. Joseph hat Verantwortung übernommen und in seiner Weisheit über Ägypten geherrscht, zum Wohl des Volkes, der Nachbarvölker und seiner eigenen Familie und so auch des Volkes Israel. Er hat für die Jahre der Hungersnot vorgesorgt und damit den Menschen gedient. Joseph hat nicht abgelehnt, er sei zu schwach, zu unfähig, zu feige oder zu faul oder was auch immer. Er hat seine Berufung angenommen.

Sicher war es keine einfache Aufgabe als Herrscher über Ägypten. Joseph war ein Ausländer, ein ehemaliger Sklave, und dazu war er auch noch sehr jung: „Und Joseph war dreißig Jahre alt, als er vor dem Pharao, dem König von Ägypten, stand.“ (1 Mo 41:46) Im Vergleich: Mose war 80 Jahre alt, als er seine Berufung empfing. (Apg 7:23.30) 

Und dennoch ist Joseph vor seiner Berufung und Verantwortung nicht fortgelaufen. Er hat sie angenommen. Wie ist es bei uns? Kennen wir unsere Berufung und Aufgabe - in der Gesellschaft, zu Hause oder in der Gemeinde? Kennen wir den Willen Gottes und unsere Berufung nicht, können wir ihr auch nicht folgen. Oder noch schlimmer: Wir übernehmen Verantwortung und folgen einer Berufung, die wir gar nicht bekommen haben.

Nehmen wir an, wir sind zu einem Dienst berufen ähnlich wie Joseph. Eine echte Herausforderung und wir wissen nicht, wie wir das schaffen sollen. Wie hat es Joseph geschafft? Die Antwort ist einfach: Gott gibt, was er verlangt.

„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man desto mehr fordern.“ - Lukas 12:48

Anders ausgedrückt: Gott fordert viel, aber er gibt genauso viel. Wem Gott Talente und Weisheit schenkt, von dem wird es auch gefordert werden. Der soll seiner Berufung entsprechend seine Talente einsetzen, den Menschen dienen, seiner Aufgabe nachkommen und Verantwortung übernehmen. Mir war Mose immer eine Ermutigung. Mit seinen 80 Jahren sprach Mose zu Gott, er könne nicht gut reden. Und was antwortet ihm Gott?

„Wer hat dem Menschen den Mund gemacht? … Bin ich es nicht, der HERR? So geh nun hin: Ich will mit deinem Mund sein und dich lehren, was du sagen sollst!“ - 2. Mose 4:10-12

Gott hat dem Mose gegeben, was er den Menschen sagen und wie er sie aus Ägypten herausführen soll. Was später Mose erfahren hat, hatte zuvor auch Joseph erfahren. Schon durch den Traum des Pharaos sprach Gott zu Joseph, dass er für die kommenden Jahre der Hungersnot vorsorgen und einen Vorrat anlegen soll. Was Gott ihm aufgetragen hat, hat Joseph getan.

Zusammenfassung

Wer weise ist, fragt Gott – ohne Gott keine Weisheit

Wer weise ist, dient den Menschen – Weisheit ist kein Selbstzweck

Wer weise ist, übernimmt Verantwortung – Gott setzt ein, Gott hilft

Amen.

 

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