Horace Emile Jean Vernet

Teil I: Der Ehebruch des Juda

1. Was genau ist passiert?
2. Wie konnte es dazu kommen?

Teil II: Die Treue des Joseph

3. Was genau ist passiert?
4. Was hat Joseph richtig gemacht?

Teil III: Der Ratschluss Gottes

5. Aus heilsgeschichtlicher Sicht
6. Aus chronologischer Sicht



Juda < Joseph < Gott: Versagen des Juda, die Treue Gottes

Wir hören heute die zweite von fünf Predigten über die Geschichte von Joseph:

1. Verkauft (und gefangen) wie Jesus
2. Juda beging Ehebruch, Joseph blieb treu
3. Der Geist und die Weisheit Gottes in Joseph
4. Die Härte des Joseph gegenüber seinen Brüdern
5. Versöhnung und Rettung des Volkes Israel

Teil I: Der Ehebruch des Juda

Die Geschichte von Judas Mischehe und Ehebruch steht in Kapitel 38...

Verse 1-2)  Juda zog weg von seinen Brüdern und heiratete eine Kanaaniterin

Verse 3-5)  Sie bekamen drei Söhne: Er, Onan und Schela

Verse 6-7) Juda gab dem Er die Tamar zur Frau; Er verstarb weil er böse war

Verse 8-10) Juda gibt der Tamar den Onan zur Schwagerehe; auch Onan verstarb

Vers 11) Juda verweigert der Tamar den Schela und belügt Tamar

Wir halten fest: Juda ist der Handelnde. In eigener Verantwortung zieht er fort von seinem Vater, seinen Eltern und von seinen Brüdern und heiratet die „Tochter eines Kanaaniters“. Worin seine Väter Abraham und Isaak noch Vorbilder waren, darin versagt nun Juda:

Damals ließ Abraham seinen Knecht schwören, „dass du meinem Sohn keine Frau nimmst von den Töchtern der Kanaaniter, unter denen ich wohne.“ (1 Mose 24:3) Abraham ließ seinen Knecht einen weiten Weg gehen, um für Isaak eine gläubige Frau zu suchen. Juda tat das genaue Gegenteil. Er ging einen weiten Weg fort von seiner Familie, um dann eine Götzendienerin zu heiraten.

Mit dieser Mischehe fängt die Geschichte an, und aus seiner Mischehe folgten die anderen Sünden. Die Familie war geprägt von ihrem kanaanitischen Umfeld. Und so taten die zwei Söhne Er und Onan Böses und sie starben. Dann belügte Juda die Tamar und verweigerte ihr den dritten Sohn.

Lesen wir weiter (Verse 12-16; 17-30):

Tamar merkte, dass sie den dritten Sohn Schela nicht bekommen wird. Sie wollte aber einen Nachkommen. Nach kanaanitischem Recht (!) konnte auch der Schwiegervater zu ihr eingehen, um ihr Nachkommen zu zeugen. Und Betrug war in Kanaan wahrscheinlich auch kein großes Problem, also verkleidete sie sich als Hure. Und weil Juda sich an die dortigen Sitten gewöhnt hat, ging er zu ihr ein und beging Unzucht mit ihr. Nicht nur das, er glaubte sogar, sie sei eine „Tempelhure“ („Geweihte“), damit hatte Juda sogar auch Anteil am kanaanitischen Götzenkult. (1 Mose 38:21)

Das Thema hier ist der Ehebruch oder die Unzucht allgemein, zuerst aber die Mischehe.

Nach dem Gesetz waren den Israeliten solche Mischehen ausdrücklich verboten. (2 Mose 34:16; 5 Mose 7:3-4) Warum? Weil sich die gläubigen Juden den ungläubigen Götzendienern anpassen und dadurch ihren Gott verlassen. Das Thema zieht sich durch die ganze Bibel.

In der Wüste riet Bileam den Moabitern, ihre Töchter den Juden zu geben, „und das Volk fing an, Unzucht zu treiben mit den Töchtern der Moabiter, und diese luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter ein. Und das Volk aß mit ihnen und betete ihre Götter an.“ Als Folge davon starben 24.000. (4 Mose 25:1-2; 1 Kor 10:8; Offb 2:14)

Wir alle kennen die Geschichte vom König Salomo und wie seine Frauen ihn zum Götzendienst verführten. Und weitere 500 Jahre später erinnert Nehemia das Volk Israel an Salomo und sorgt für die Absonderung des Volkes von den Heiden. (Nehemia 13:25-27)

In diesen Fällen ist nicht die Mischehe an sich das Problem (vgl. 1 Kor 7:12f.), sondern die geistlichen Folgen daraus: Götzendienst, Anpassung an die heidnischen Sitten und Gebräuche. Juda heiratet die Kanaaniterin und lebt im kanaanitischen Umfeld. Ihre Kinder tun Böses und Gott tötet sie. Juda belügt seine Schwiegertochter Tamar, die Tamar betrügt zurück. Juda will zu einer Tempelhure eingehen und begeht Unzucht mit Tamar. Das Ganze fliegt auf, der gute Ruf ist dahin und Judas Leben ist zerstört. Seht ihr, welche Auswirkungen eine falsche Heirat haben kann?

Die Heirat mit einer Kanaaniterin führte im Ergebnis zum Ehebruch zwischen Schwiegervater und Schwiegertochter. Wie Gott darüber denkt, lesen wir im Gesetz: „Wenn ein Mann bei seiner Schwiegertochter liegt, so sollen sie beide unbedingt getötet werden.“ (3 Mose 20:12) Auf die heutige Zeit übertragen sind sie aus der Gemeinde auszuschließen.

Das Thema Mischehe lässt sich auf andere Bereiche ausweiten. Paulus schreibt allgemein: „Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.“(1 Kor 15:33) Die Kirche hat sich heute mit den Heiden verheiratet. Wir leiden unter dem Einfluss der getauften Heiden. Aus den Nachrichten wissen wir, wie viele Kompromisse die Christen in der Landeskirche mittlerweile eingehen. Und wir müssen aufpassen, dass wir dabei nicht mitmachen. Wir sind zur „Heiligung“ berufen, und das bedeutet „Absonderung“ von den Heiden und von ihren Sünden.

Abrahams Knecht ging einen weiten Weg, um für Isaak eine gläubige Frau zu finden. Juda ging einen weiten Weg, um dann eine Kanaaniterin zu heiraten. Wofür gehen wir weite Wege?

Für einen anderen Job ziehen die Menschen in eine andere Stadt, aber für die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen? Es gibt Christen, die sind umgezogen, um am neuen Ort in einer gesunden Gemeinde gute Gemeinschaft zu haben, besonders auch wegen ihrer Kinder.

Wem oder was folgen wir? Was ist uns wichtig? Wofür gehen wir weite Wege? Und in welche Richtung sind wir gerade unterwegs? Machen wir es wie Abraham oder wie Juda?

Teil II: Die Treue des Joseph

Die Geschichte von Joseph liest sich als das Gegenteil von Juda: Joseph zog nicht von seiner Familie fort, sondern ist von seinen Brüdern verkauft worden. Er lebte nicht freiwillig unter den Götzendienern, sondern wurde dazu gezwungen. Später gab der Pharaoh dem Joseph die Tochter eines Priesters. Das war eine politische Ehe, die er eingehen musste. Joseph wurde zur Mischehe gezwungen, ist seinem Gott aber treu geblieben. Denn am Ende seines Lebens ließ Joseph seine Brüder schwören, dass sie und ihre Nachkommen seine Knochen mit durch die Wüste in das verheißene Land nehmen. (1 Mo 50:25; 2 Mo 13:19; Jos 24:32)

Und in Kapitel 39 geht Joseph nicht freiwillig zu einer Tempelhure, sondern ganz im Gegenteil: Er arbeitete als Sklave von Potiphar, und von der Frau des Potiphar sollte er verführt werden. Er ging nicht zur Frau, die Frau kam zu ihm! Lesen wir 1. Mose 39:7-12

Seht ihr den Unterschied zwischen Juda und Joseph? Während Juda der Agierende ist, ist Joseph der Reagierende. Während Juda aktiv sündigt, reagiert Joseph vorbildlich:

„Wie sollte ich nun eine so große Missetat begehen und gegen Gott sündigen?“ (Vers 9)

Juda ist uns ein Negativbeispiel und Joseph das Positivbeispiel. Wir sollen die Sünde nicht nur unterlassen, sondern vor der Sünde fliehen:

„Flieht die Unzucht!“ - 1 Korinther 6:18

„Flieht vor dem Götzendienst.“ - 1 Korinther 10:14

„Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge.“ (Geldliebe) - 1 Timotheus 6:11

„So fliehe nun die Begierden der Jugend.“ - 2 Timotheus 2:22

Wir sollen fliehen, das bedeutet weite Wege gehen, weg von der Sünde!

Teil III: Der Ratschluss Gottes

Wir haben über Juda gesprochen und über Joseph. Können wir aus der Geschichte auch ein Handeln Gottes erkennen? Im Buch der Offenbarung wird Jesus Christus mit Juda in Verbindung gebracht: Er ist der „Löwe, der aus dem Stamm Juda ist.“ - Offenbarung 5:5

Juda und Tamar werden im Geschlechtsregister von Jesus Christus erwähnt. (Mt 1:3; Lk 3:33) Ihr gemeinsamer Sohn Perez ist ein Vorfahre von Jesus Christus! Man könnte also aus heilsgeschichtlicher Sicht sagen: „Ende gut, alles gut“!?

Zum einen ist es Gnade, dass am Ende in Jesus Christus „alles gut“ ist. Gott kam in diese überaus sündige Welt, weil er sie liebt und nicht, weil die Menschen es verdient hätten. Und Jesus Christus musste für die Sünde des Juda sterben. Gott ist seine Sünde nicht etwa egal.

Zum anderen ging Gott mit Juda und dem ganzen Volk Israel einen besonderen Weg. Er sandte Joseph nach Ägypten. Dort wurde er Herrscher und sorgte für die Jahre der Hungersnot vor. In diesen Jahren des Hungers ging die Familie Jakob nach Ägypten. Als ein Volk führte Gott sie durch Mose von dort heraus aus der Sklaverei, 40 Jahre durch die Wüste in das verheißene Land. Gott formte sein Volk auf seine Weise. Er sonderte sie ab von den Heiden; Gott „heiligte“ sie.

Aus chronologischer Sicht ist interessant, dass die Hungersnot mit der Sünde Judas in Verbindung gebracht werden kann. Juda sündigte und etwa in demselben Jahr kam die Hungersnot. Was wäre gewesen, wenn Gott keine Hungersnot gesandt hätte? Der Stamm Juda wäre in der Vermischung mit den Kanaanitern untergegangen. So aber gingen Juda und seine Söhne Perez und Serach mit der ganzen Familie Jakob nach Ägypten. (1 Mo 46:12)

Oft sehen wir nur die Hungersnot, ohne nach den Gedanken Gottes zu fragen. Der Mensch sündigt, aber Gott bleibt souverän und bietet uns die Rettung in Jesus Christus.

Flieht vor der Sünde, geht weite Wege, in die richtige Richtung!

Amen.

 

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