Gustav Doré


Teil I: Warum Joseph verkauft wurde (I)

1. Er spricht die Sünde aus
2. Sein Vater bevorzugt ihn
3. Er ist erwählt zu herrschen

Teil II: Warum Joseph verkauft wurde (II)

4. Er wird geläutert zum Dienst
5. Er wird gesandt zur Rettung

Teil III: Warum Jesus verkauft wurde

6. Aus Eifersucht, ohne Ursache
7. Zur Rettung, Gottes Ursache
 



Joseph wird verkauft: Verkauft (und gefangen) wie Jesus

Zunächst die Geschichte von Joseph im Überblick: Seine Brüder hassen ihn und verkaufen ihn. Als Sklave kommt er nach Ägypten, wo er wegen seiner Weisheit schließlich zum Herrscher wird. Während einer Hungersnot kommen die Brüder nach Ägypten und Joseph versöhnt sich dort mit ihnen. Wir hören fünf Predigten über die Geschichte von Joseph:


1. Verkauft (und gefangen) wie Jesus
2. Juda beging Ehebruch, Joseph blieb treu
3. Der Geist und die Weisheit Gottes in Joseph
4. Die Härte des Joseph gegenüber seinen Brüdern
5. Versöhnung und Rettung des Volkes Israel

Teil I: Warum Joseph verkauft wurde (I)

Joseph spricht über die Sünde seiner Brüder

Er war etwa 17 Jahre alt und lebte mit seinen Brüdern und hütete mit ihnen das Vieh. Er kannte sie und wusste über ihre Sünde: „... und Joseph brachte vor ihren Vater, was man ihnen Schlimmes nachsagte.“ (1. Mose 37:2) Also? „Ist Joseph doch selbst Schuld, wenn sie ihn verkauft haben.“ So habe ich es schon oft gehört: „Was verpetzt er denn seine Brüder?“

Darf man petzen? Es wäre besser gewesen, Joseph konfrontiert seine Brüder direkt mit ihrer Sünde. (Matthäus 18:15-17) Aber ist es verboten, die Sünde beim Namen zu nennen und offenzulegen? Wäre es besser, man schweigt einfach und sieht weg? Liegt die Schuld hier bei Joseph oder bei den Brüdern? Ist es nicht an den Brüdern, die Sünde zu lassen?

Sein Vater Jakob bevorzugt Joseph

Es gab mehrere Gründe, dass Jakob den Joseph bevorzugte. Sein Vater hatte ihn lieber „als alle seine Söhne, weil er ihn in seinem Alter bekommen hatte.“ (37:3) Dazu war er noch der Sohn von Rahel, die Jakob lieber hatte als seine andere Frau Lea. (29:30; 30:22-24) Und zuletzt ist wohl offensichtlich, dass Joseph neben seinen sündigen Brüdern besser dastand.

Auch hier: Es war nicht Josephs Schuld, eher die Ungerechtigkeit seines Vaters Jakob.

Er ist erwählt zu herrschen

Joseph träumt und die Deutung des Traumes ist für alle eindeutig. Sinnbildlich verneigen sich die Brüder vor ihm und er wird über sie herrschen. (37:5-11) Wir lesen später an mehreren Stellen, wie genau das auch eingetroffen ist: Seine Brüder verneigen sich vor ihm. (ab 42:6)

Vielleicht war es ein Fehler, dass er diesen Traum seiner Familie erzählt hat. So wurden die Brüder noch eifersüchtiger und hassten ihn noch mehr. Aber auch wenn es ein Fehler war, war es doch keine Sünde. Er hatte einen Traum, mehr nicht.

Fazit: Die Brüder hassten ihn und verkauften ihn als Sklave, obwohl sie aus moralischer Sicht keinen Grund dazu hatten. Es war ungerecht und Joseph litt eine Strafe, die er nicht verdient hatte, auch wenn er wie alle Menschen nicht ganz ohne Sünde war.

In der nächsten Predigt wird dieser Punkt noch deutlicher: In Kapitel 38 lesen wir die unmoralische Geschichte von Juda und Tamar und in Kapitel 39 die Geschichte von Joseph, der vor dem Ehebruch mit der Frau seines Herrn Potiphar flieht mit den Worten: „Wie sollte ich nun eine so große Missetat begehen und gegen Gott sündigen?“

Teil II: Warum Joseph verkauft wurde (II)

Joseph wird geläutert zum Dienst

Was den Menschen vor Augen ist, ist nur die Oberfläche: Joseph wurde verkauft, weil die Familie zerrüttet und seine Brüder neidisch auf ihn waren. Schauen wir tiefer, sehen wir auf Gottes Ratschluss und Souveränität. In Psalm 105 wird an die Machttaten Gottes erinnert und an Gottes Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Auch Joseph von Gott gebraucht:

„Er sandte einen Mann vor ihnen her; Joseph wurde als Knecht verkauft. Sie zwangen seinen Fuß in einen Stock; sein Hals kam ins Eisen – bis zu der Zeit, da sein Wort eintraf und der Ausspruch des Herrn ihn geläutert hatte.“ (Psalm 105:17-19)

Joseph litt unter seinen Brüdern. Dann litt er als unfreier Sklave, Füße und Hals waren gefesselt. Mit 17 wurde er verkauft, erst mit 30 stand er vor dem Pharao und wurde Herrscher. Mindestens „zwei Jahre“ (41:1) und „eine längere Zeit“ (40:4) lebte er im Gefängnis.

Gott wusste über Joseph, dass er ihn als Herrscher gebrauchen würde. Und wie bereitet man einen zukünftigen Herrscher auf seinen Dienst vor? Was ist wichtig, um zu herrschen? Wer ist ein guter Herrscher nach Gottes Prinzipien? Ein guter Herrscher ist ein demütiger Diener. Nicht einer, der seine Macht missbraucht und nur an sich und seine Position denkt, sondern einer, der den Menschen Gutes tut. Jesus lehrte seine Jünger:

„Ihr wißt, daß die Fürsten der Heidenvölker sie unterdrücken und daß die Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch aber soll es nicht so sein; sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ - Matthäus 20:25-28

Joseph wurde in der Gefangenschaft zur Demut geläutert, dass er später als Herrscher nicht hochmütig regiert. Am Ende versöhnt er sich mit seinen Brüdern und rächt sich nicht. Ein anderes Beispiel ist Mose: „Aber Mose war ein demütiger Mann, demütiger als alle Menschen auf Erden.“ (4. Mose 12:3) Auch Mose wurde 40 Jahre in der Wüste geläutert. Und schließlich hat sogar Jesus Christus selbst gelitten, um Gehorsam zu lernen. (Hebräer 5:8)

Wie ist es mit Dir? Leidest Du unter Menschen? Wirst Du verkauft und betrogen? Bist Du von den Menschen enttäuscht? Durchlebst Du gerade irgendein ein anderes Leiden? Dann schau nicht nur auf die Oberfläche, sondern tiefer auf die Weisheit Gottes. Leiden lehren uns, demütigen uns und formen uns zur Christusähnlichkeit und zum fruchtbaren Dienst. Insofern dient uns alles zum Besten, auch die Leiden. (Römer 8:28)

Joseph wird gesandt zur Rettung

Schon im Psalm 105 steht geschrieben, Gott sandte Joseph vor dem Volk Israel her. Joseph wurde also nicht einfach bloß verkauft, sondern gesandt auf ein Ziel hin. Auch Joseph selbst hat das am Ende der Geschichte erkannt und sagt zu seinen Brüdern:

„Bekümmert euch nicht und macht euch keine Vorwürfe darüber, daß ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch her gesandt! … Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Überrest zu sichern auf Erden, und um euch am Leben zu erhalten zu einer großen Errettung.“ - 1. Mose 45:5-7

Gott gebraucht Menschen für andere Menschen. Er gebraucht Joseph, um Israel durch die Hungersnot zu tragen und zu retten. Gott formt Joseph in der Gefangenschaft zu diesem Dienst für die anderen. Wir sollten nicht nur auf unser Schicksal sehen, sondern auf das große Ganze. Wir sind Teil des Planes Gottes, in dem sich nicht alles um den Einzelnen dreht. Christen leben für andere Menschen und sind aufgefordert zum gegenseitigen Dienst.

Teil III: Warum Jesus verkauft wurde

Aus Eifersucht, ohne Ursache

Was wir von Joseph lernen, sehen wir in Jesus Christus als vollkommenes Vorbild. Im Gegensatz zu Joseph war Jesus völlig ohne Sünde und Schuld. Völlig ohne Ursache haben sie ihn gekreuzigt und als unschuldiges Lamm ist er für unsere Sünden geopfert worden.

Joseph zeigt auf Jesus Christus, über den geschrieben steht: „Sie hassen mich ohne Ursache.“ (Psalm 69:5; Johannes 15:25) Als Anklagegrund wurde die Inschrift an sein Kreuz befestigt: „Jesus, König der Juden.“ (Matthäus 27:37) Pilatus fand keine Schuld an Jesus. (Lukas 22:4.23) Stattdessen wusste er, „dass sie ihn aus Neid ausgeliefert hatten.“ (Matthäus 27:18; Markus 15:10) Joseph wurde für 20 Silberlinge verkauft, Judas verriet Jesus für 30 Silberlinge. (Matthäus 26:15)

Zur Rettung, Gottes Ursache

Was die Heiden nur oberflächlich betrachten und deshalb auch nicht verstehen, ist uns Christen offenbart worden. Was am Kreuz geschah, war kein Missverständnis oder Unfall. Jesus Christus ist nicht ein hilfloser Mensch sondern Gottes Sohn, der aktiv und willentlich in diese Welt kam, um für uns ans Kreuz zu gehen und für unsere Sünden zu bezahlen. Es geschah alles nach dem Heilsplan des dreieinigen Gottes genau so, wie es schon vor hunderten von Jahren vorhergesagt wurde. Gott hat souverän gehandelt.

Die Geschichte von Joseph ist eine Geschichte vom souveränen Handeln Gottes nach seiner Weisheit und nach seinem Heilsplan. Der Heilsplan findet seine Vollendung in Jesus Christus. Und auch wir sind berufen, nach Gottes Willen zu leben und ihm zu folgen.

Amen.

 

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