Gustav Doré


Teil I: Die Geschichte von Esau als Warnung
  1. Sein Gott war der Bauch
  2. Sein Denken war kurzfristig
  3. Es gibt (auch für uns) ein „zu spät“
Teil II: Die Geschichte von Jakob als Offenbarung
  1. Seine Entscheidung war richtig
  2. Seine Betrügereien waren Sünde
  3. Allein Gottes Gnade hat ihn gesegnet
Teil III: Bist Du wie Esau oder wie Jakob?
  1. Wie Esau, dann tue Buße bevor es zu spät ist
  2. Wie Jakob, dann tue Buße und danke Gott


Esau und Jakob: Segen > Linsen; Gnade > Verdienst

Esau und Jakob waren Zwillinge, und Esau war zuerst geboren. Damit hatte er das Erstgeburtsrecht, das ist ein besonderes Erbrecht zum einen (5 Mose 21:15-17) und zum anderen gehen auch die Verheißungen Gottes auf ihn über. Esau verachtete dieses Erstgeburtsrecht und verkaufte es Jakob für ein Linsengericht. Der Segen war ihm egal, danach war es zu spät. Esau ist uns eine Warnung.
 
Teil I: Die Geschichte von Esau als Warnung
 
Ob es Esau wohl geschmeckt hat?

Ich erinnere mich an meine Zeit in Korea. Dort gibt es wohl Fleisch, aber nur in kleinen Stückchen, denn dort isst man mit Stäbchen. Nun esse ich sehr gerne Kotelett vom Grill oder ein saftiges Steak, sowas gibt es in Korea nicht. Nach über einem Jahr war mein Verlangen danach groß, ich hatte großen Appetit auf ein richtiges Stück Fleisch.
 
Wahrscheinlich hatte Esau einen so großen Appetit auf dieses Linsengericht. Zweimal steht geschrieben, „er war erschöpft.“ Er kam gerade von der Jagd. Die Situation war die, dass er einfach großen Hunger hatte und die Linsen haben ihm schon immer gut geschmeckt. Esau hatte Hunger, also was hätte er machen sollen? Jakob will ihm das Essen verkaufen, ja hätte er denn fasten sollen? Ja dürfen wir denn nichts essen, gönnt Gott dem Esau das Essen nicht? Brauchen wir denn nicht was zu essen, wir sind doch alle Menschen?

Was war falsch an Esaus Entscheidung?
 
Die Bibel sagt uns, wir sollen nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist. Unser Gott soll nicht der Bauch sein, sondern der HERR, auch wenn es schwer ist. Natürlich haben wir als Menschen Bedürfnisse wie z.B. Hunger. Ganz ohne Essen können wir nicht überleben. Mehr noch, wir dürfen unser Essen mit Danksagung genießen und „... unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott setzen, der uns alles reichlich zum Genuß darreicht.“ (1 Tim 6:17b) Gott ist ein guter Gott, der uns alles gibt was wir brauchen und noch viel mehr.
 
Und trotzdem dürfen wir unsere Bedürfnisse und unser Verlangen nicht über Gott stellen. Die Sünde Esaus ist hier nicht, dass er Linsen gegessen hat. Seine Sünde ist, dass ihm die Linsen wichtiger und kostbarer waren als der Segen Gottes. Was ist Dir wichtig?
 
Wir müssen Entscheidungen treffen in unserem Leben. Und immer wieder werden wir ein fleischliches Bedürfnis spüren, das sich gegen Gottes Willen stellt. Was ist uns wichtiger, der Reichtum oder die Mission? Was ist wichtiger, unser Hobby oder die Gemeinde? Der Fernseher oder unsere Ehe, die Kinder, Freundschaften? Das Telefon oder das Gebet?
 
Versteht mich bitte richtig – wir dürfen natürlich Geld sparen, wir dürfen auch ein Hobby haben, wir dürfen fernsehen und wir dürfen auch telefonieren. Aber es gibt Stunden und Situationen, in denen die Sache Gottes einfach wichtiger ist und wir die richtige Entscheidung treffen müssen. Das ist unsere große Verantwortung vor Gott.
 
Esaus Gott war der Bauch, und sein Denken war kurzfristig:
 
„Siehe, ich muß doch sterben; was soll mir das Erstgeburtsrecht?“ (1 Mose 25:32) Das erinnert ganz stark an das Volk Israel, das von Jesaja zur Buße aufgefordert wird:
 

„Und an jenem Tag ermahnt der Herrscher, der HERR der Heerscharen, zum Weinen und Wehklagen, zum Kahlscheren des Hauptes und zum Umgürten des Sacktuches – doch siehe, da ist Jubel und Vergnügen, Ochsen schlachten und Schafe schächten, Fleisch essen und Wein trinken: »Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!« Doch der HERR der Heerscharen hat sich meinem Ohr geoffenbart: Wahrlich, diese Missetat soll euch nicht vergeben werden, bis ihr sterbt! spricht der Herrscher, der HERR der Heerscharen.“ (Jesaja 22:12-14)

 
»Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!« Was kümmert mich die Zukunft, ich habe jetzt Hunger. Ich will das Vergnügen hier und jetzt. Die Zukunft ist mir egal, sogar auch die Ewigkeit ist mir egal. So denken gerade heute sehr viele Menschen.
 
Wir hatten mal ein Treffen unter Jugendlichen in dem wir darüber nachgedacht haben, was ist unser Leben hier auf der Erde im Vergleich zur Ewigkeit? Wie ein Sandkorn im Vergleich zu allen Stränden dieser Welt. Wie ein Millimeter im Vergleich zur Strecke bis zum Mond. Wie ein Wimpernschlag im Vergleich zur ganzen Weltgeschichte. Macht euch darüber mal Gedanken. Was ist unser kurzes Leben hier auf der Erde im Vergleich zur Ewigkeit?
 
Und wie weitreichend sind damit auch die Entscheidungen, die wir hier auf der Erde treffen. Was wir hier säen, werden wir in Ewigkeit ernten. Wenn wir Gott auf der Erde verachten, hat das Folgen bis in die Ewigkeit hinein. Wie wichtig sind also unsere Entscheidungen!!
 
»Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!« Das ist töricht und dumm.
 

Die Geschichte von Esau ist uns eine große Warnung: Es gibt ein Zu-spät!
 
Die Warnung steht ausdrücklich im Hebräerbrief:
 

„Achtet darauf, daß nicht jemand die Gnade Gottes versäumt, … daß nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gottloser Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Denn ihr wißt, daß er nachher verworfen wurde, als er den Segen erben wollte, denn obgleich er ihn unter Tränen suchte, fand er keinen Raum zur Buße.“ (Hebräer 12:15-17)

 
Achten wir darauf? Auf uns selbst und auf unsere Geschwister in der Gemeinde? Unter uns soll kein gottloser Mensch sein wie Esau, der die falsche Entscheidung getroffen hatte. Danach wurde er verworfen, es war für ihn zu spät und er fand keinen Raum zur Buße mehr.
 
Solange wir noch unsere Sündhaftigkeit sehen und Buße tun können, solange wir noch nach Gott fragen und mit ihm leben ist es gut. Das Gericht des Zu-spät ist gekommen, wenn wir keinen Raum mehr zur Buße finden. Ohne Buße keine Vergebung, dann die Verwerfung und Gottes Gericht.
 
Findest Du noch Raum zur Buße? Lass Dich warnen, bevor es zu spät ist! Entscheide Dich heute richtig und mache es besser als Esau!

 
Teil II: Die Geschichte von Jakob als Offenbarung
 
Wenn Esau uns eine Warnung ist, ist der Jakob uns dann ein Vorbild? Hat Jakob alles richtig gemacht? Kennen wir die Geschichte von Jakob?
 
Wir lernen hier, dass ihm das Erstgeburtsrecht und der Segen Gottes wichtig ist. Das ist gut. Aber wie hat er den Segen denn bekommen? Durch Betrug, lesen wir in 1 Mose 27. Später betrügt der Jakob seinen Schwiegervater Laban. Und Gott sieht das alles, es ist ihm nicht egal. In Hosea lesen wir: „Auch mit Juda hat der HERR einen Rechtsstreit, und er muß Jakob strafen entsprechend seinen Wegen, er wird ihm vergelten entsprechend seinen Taten. Schon im Mutterschoß hielt er die Ferse seines Bruders...“ (Hosea 12:3-5)
 
Zum Namen Jakob steht in dem hebräischen Sprachschlüssel:

ja'aqob hängt wortspielartig sowohl mit 'aqeb (Ferse) wie mit 'aqab (betrügen, überlisten) zusammen. Gelegentlich wird mit der Nennung dieses Namens auf die Sündhaftigkeit und Abhängigkeit des Volkes vom Segen Gottes angespielt.“ Der Name Jakob bedeutet also „Er faßt die Ferse“ oder „Er betrügt“. Und der Name ist Programm. Hat sich Jakob den Segen Gottes also verdient? Hat er ihn sozusagen rechtmäßig erworben, zum Kaufpreis eines Linsengerichts? Hat Jakob ein Recht auf Segen?
 
Hat irgendjemand auf dieser Welt den Segen Gottes verdient? Was war mit Hiob? Über ihn wurde gesagt, „seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet!“ (Hiob 1:8) Hatte er sich den Segen Gottes verdient? Nein, er musste lernen, dass auch er ein Sünder und Gott in seinem Handeln souverän ist.
 
Oder was ist mit Paulus? Zur Gemeinde sagt er, „So ermahne ich euch nun: Werdet meine Nachahmer!“ (1 Korinther 4:16) An späterer Stelle im selben Brief: „Ich bin der geringste von den Aposteln, der ich nicht wert bin, ein Apostel zu heißen, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.“ (15:9) Und dann: „Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ (V.10)
 
Es ist alles Gnade.
 
Haben wir uns vor Gott etwas verdient? Denken wir vielleicht, weil wir gute Entscheidungen getroffen haben, ist Gott uns etwas schuldig? Nach der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes (nicht „in Christus“), haben wir uns den Himmel oder die Hölle verdient? Gott rettet, aber er rettet aus souveräner Gnade und schenkt (!) uns seine Gerechtigkeit in Jesus Christus.
 
Und dafür sollten wir dankbar sein. Wenn wir von Eltern oder Freunden über den Glauben gelernt haben, warum gerade wir? Wenn wir in Deutschland leben und als Christen nicht verfolgt werden, warum gerade wir? Wenn wir die Bibel in unserer Sprache haben, dann ist das Gnade. Wenn uns heute noch das Evangelium gepredigt wird, dann ist das Gnade Gottes. Warum ich?
 
Und nun steht in Hebräer: „Achtet darauf, daß nicht jemand die Gnade Gottes versäumt...“ Innerhalb der Souveränität Gottes ist es gleichzeitig unsere Verantwortung, die Gnade Gottes nicht zu versäumen. Wenn wir sie versäumen, finden wir keinen Raum mehr zur Buße wie Esau. Beides lehrt die Bibel, Gottes Souveränität und die Verantwortung des Menschen. Es soll heute also keiner sagen, es sei egal was wir tun und entscheiden, denn Gott handelt sowieso wie er will.
 
Wir berühren hier die Lehre von der Erwählung. Gott hat den Jakob erwählt, das steht in Römer 9. Schon vor seiner Geburt sprach Gott zu Rebekka: „Zwei Völker sind in deinem Leib, und zwei Stämme werden sich aus deinem Schoß scheiden; und ein Volk wird dem anderen überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“ (1 Mose 25:23)
 
Es wäre zu wenig nur zu sagen, Gott weiß halt alles im voraus. Das stimmt zwar, aber er ist auch souveräner Töpfer über den Ton. Gott weiß nicht nur, Gott wirkt auch. Gott kann verstocken oder Erkenntnis zur Buße schenken. Das erste ist Gericht, das zweite Gnade. Wir sind auf die Gnade angewiesen und sollten sie suchen, annehmen und dankbar sein.
 
 
Schlussgedanken: Bist Du wie Esau oder wie Jakob?
 
Vielleicht stehst Du vor einer Entscheidung und musst wählen zwischen einem Linsengericht und dem Segen Gottes. Dann sei ermutigt, das Richtige zu wählen. Tue es heute noch, denn später könnte schon zu spät sein. Denke dabei an den ewigen Lohn im Himmel.
 
Vielleicht bist Du aber auch ein Mann wie Jakob, oder sogar Hiob oder Paulus. Für den gilt: „Wer meint, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle!“ (1 Korinther 10:12) Wir werden schnell fallen, wenn wir nicht erkennen dass wir von der Gnade Gottes abhängig sind.
 
Versäumen wir nicht die Gnade Gottes. Der Segen ist wichtiger als die Linsen.
 
Amen.
 
 

PREDIGT-SERVICE


Abonnieren Sie unseren Newsletter und Sie erhalten kurze Predigten per Email.

Ihr Name

Ihre Email-Adresse

eintragen
austragen