Gustav Doré

Teil I: Die Gedanken Abrahams

1. Er war kein Weichling, sondern Krieger
2. Er war ~45 Jahre im Glauben gewachsen
3. Er glaubte fest an die Auferstehung Isaaks

Teil II: Die Gedanken Gottes

4. Gott kannte Abraham
5. Gott kannte den Ausgang
6. Gott kannte seinen Heilsplan

Teil III: Was denkst Du?

7. Gott ist grausam, denn Isaak sollte sterben
8. Gott ist gnädig, denn Isaak brauchte nicht sterben
 


Die Opferung Isaaks des Lammes: Das Evangelium im Alten Testament

Vor etwa 10 Jahren hatten wir in Korea einen chinesischen Bibelkreis und haben – mit Übersetzung – chronologisch durch die Bibel studiert. Als wir bei der heutigen Geschichte von Abraham und Isaak ankamen, sagte eine Chinesin ganz frei und gerade heraus: „Das glaube ich nicht.“ Wie sie heute denkt weiß ich nicht, aber damals war es eine schwierige Situation.

Man kann es sich wirklich schwer vorstellen, dass Gott den Abraham „prüfte“ indem er ihn aufforderte, seinen Sohn Isaak zu "schlachten" und dann als Opfer zu verbrennen. Und doch glauben wir, dass die Bibel kein Märchenbuch ist. So wie die Bibel es beschreibt muss es gewesen sein. Wie sollen wir darüber denken? Was hat wohl Abraham damals gedacht?

Teil I: Die Gedanken Abrahams

Betrachten wir das Leben Abrahams dann sehen wir, in welch völlig anderer Welt er gelebt hat. Der Tod war ihm nicht fremd. Er kannte Blut und schreckliche Bilder. Zum einen hatte er regelmäßig Tiere geschlachtet und geopfert, zum anderen kannte er den Krieg. In 1.Mose 14 zog Abraham mit seinen 318 Knechten gegen 4 Könige und befreite seinen Neffen Lot.

Verglichen mit damals sind die Menschen im friedlichen Westen heute eher Weichlinge. Wir kennen den Krieg nicht, und wir können kein Blut sehen. Wir sind es einfach nicht gewohnt. Wir essen zwar Fleisch, wollen die Tiere aber nicht selbst schlachten. Wir hören von Krieg und Terror, sitzen dabei aber auf dem Sofa. Jeder hat seine Meinung zur Abtreibung, aber Bilder dazu will und kann niemand sehen.

Die Gedankenwelt des Abraham war also völlig anders als unsere heute. Wenn wir es uns erst gar nicht vorstellen können überhaupt zu schlachten und zu töten, so hatte Abraham das schon erlebt, es war Teil seines Lebens. Auch wenn es hier natürlich (!) ein großes Leid für ihn war, weil es um seinen eigenen Sohn ging.

Zum zweiten stand Abraham in einer tiefen Gottesbeziehung. Es ist lange her, dass Gott ihn aus Haran gerufen hatte. Seitdem hat er viel mit Gott erlebt. Er hat die Hungersnot überstanden, ist als Sieger aus dem Krieg gekommen, ist Gott mehrfach begegnet, hat die vielen Verheißungen von Gott erhalten und schließlich – es fiel ihm erst schwer das zu glauben – noch in hohem Alter von Sarah den Isaak bekommen. Es war – aus biologischer Sicht – eigentlich schon viel zu spät, aber Abraham durfte erfahren dass bei Gott nichts unmöglich ist. Und so dachte er ganz sicher auch hier. In diesen vielen, vielen Jahren lebte Abraham mit dem allmächtigen Gott und lernte, Ihm zu vertrauen.

Abrahams Glaube war so groß, dass er sogar fest davon überzeugt war, zusammen mit Isaak wieder zurück nach Hause zu kommen, auch wenn er ihn vorher opfern sollte. In Vers 5 spricht Abraham zu seinen Knechten: „Bleibt ihr hier mit dem Esel, ich aber und der Knabe wollen dorthin gehen und anbeten, und dann wollen wir wieder zu euch kommen.“

Im Hebräerbrief wird betont, dass er weiterhin fest an die Verheißungen Gottes glaubte. Ganz klar hatte Gott dem Abraham gesagt, „In Isaak soll dir ein Same berufen werden.“ Die Verheißung wird sich also in Isaak erfüllen. Und wenn Gott einen Bund macht, dann bricht er ihn nicht. Aber wenn Isaak nun sterben muss? Na, dann wird Gott ihn eben wieder von den Toten auferwecken. Abraham „zählte darauf, daß Gott imstande ist, auch aus den Toten aufzuerwecken.“ (Hebräer 11:19)

Man kann sich an Abrahams Glauben durchaus ein Beispiel nehmen. Das ist der eine Punkt. Der Glaube Abrahams ist vorbildlich, und er zeigt sich im absoluten Vertrauen und Gehorsam. Der andere Punkt an dieser Stelle ist aber der: Ich möchte helfen, dass wir uns die Geschichte als tatsächliches Geschehen vorstellen können und nicht als Märchen abtun.

Wie Abraham lebte, dachte und glaubte, so handelte er auch:

„Da stand Abraham am Morgen früh auf und sattelte seinen Esel; und er nahm zwei Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak; und er spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, den ihm Gott genannt hatte.“ - 1.Mose 22:3

Teil II: Die Gedanken Gottes

Was ist das für ein Gott, der einen Menschen wie Abraham solch einer Glaubensprüfung aussetzt? Was hat sich Gott nur dabei gedacht, fragt sich vielleicht mancher.

Grundsätzlich können wir immer sagen, dass Gottes Gedanken höher sind als unsere. Damals wird Abraham eben so über Gott gedacht und ihm einfach vertraut haben. Wir wissen heute aber noch mehr über Gottes Gedanken als Abraham, denn wir haben die ganze Bibel, in der sich Gott uns offenbart. Zum Beispiel steht dort zum Thema „Prüfung“ oder „Versuchung“ in 1. Korinther 10, Vers 13:

„Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werden, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so daß ihr sie ertragen könnt.“


Gott kannte den Abraham. Und Gott hat von Anfang an nicht zugelassen, dass Abraham über sein Vermögen versucht wurde. Gott wusste, wie Abraham reagieren würde. Abraham kannte seinen Gott, aber noch viel besser kannte Gott seinen Abraham. Wenn wir also über die Geschichte heute nachdenken dann brauchen wir nicht fürchten, Gott würde auch uns derart prüfen. Niemals wird er unseren Glauben „über unser Vermögen“ prüfen. Es war eine Sache des Vertrauens zwischen Gott und Abraham. Wir sind nicht Abraham.

So wie Gott den Abraham kannte, kannte er auch schon den Ausgang der Sache. Von Beginn an hatte Gott doch gar nicht vor, den Isaak opfern zu lassen. Ganz im Gegenteil, wir wissen aus dem Gesetz in 3. Mose, dass genau solche Opferungen der eigenen Kinder für Gott ein Greuel sind. Das hatten die Götzendiener getan, aber es wird ausdrücklich als Sünde verboten und mit dem Tod bestraft:

„Du sollst auch von deinen Kindern keines hergeben, um es dem Moloch durch das Feuer gehen zu lassen. …. Wer eines von seinen Kindern dem Moloch gibt, der soll unbedingt getötet werden.“ (3.Mose 18:21; 20:2f.)


Gott kannte von Beginn an den Ausgang der Sache: Nicht Isaak, sondern ein Lamm an seiner Stelle sollte als Brandopfer sterben. Und das ist hier ganz entscheidend, denn es verkündigt uns das Evangelium! Gott kannte Abraham, er kannte den Ausgang dieser Prüfung, und er kannte seinen Heilsplan.

„Man muss ja blind sein, wenn man das nicht sieht, wie hier durch jedes Wort ein anderer Berg hindurchschimmert, der Hügel Golgatha.“ - Johannes Busch. (S.114)

Auffällig ist zum Beispiel, dass in der Geschichte 3x vom „einzigen Sohn“ des Abraham die Rede ist, ebenso wie von Jesus Christus in Johannes 3:16 als dem „einzigen Sohn“ des himmlischen Vaters. Wenn man genauer hinschaut, entdeckt man noch eine Parallele: der Berg im Land Morija wird traditionell mit dem Tempelberg in Jerusalem gleichgesetzt. Es besteht also tatsächlich auch eine räumliche Nähe zwischen dem Geschehen mit Isaak und der Kreuzigung Jesu Christi auf Golgatha!

Die Gedanken Gottes sind gute Gedanken für uns Menschen. Es sind Gedanken der Rettung vor dem Gericht. An Isaaks Stelle trat ein Lamm. An unsere Stelle tritt Jesus Christus, der für uns geopfert ist. „Siehe, das Lamm Gottes!“ hatte Johannes der Täufer gepredigt. (Joh 1:29)

Teil III: Was denkst Du?

Viele, die mit der Geschichte nichts anfangen können, haben vielleicht sogar eine gute Motivation dahinter: Nein, an solch einen grausamen Gott können und wollen sie nicht glauben. Niemals könnte Gott so etwas von einem Menschen verlangen, dass er seinen Sohn opfern soll. Sie lesen die Überschrift „Die Opferung Isaaks“ und blättern sofort weiter. "Das kann nicht sein", denken sie.

Das Schöne vorweg: Es ist ja auch nicht so...

Isaak wurde nicht geopfert und es war von Anfang an nicht die Absicht Gottes. Gerade das ist ja das Evangelium! Aber bevor wir über die Gnade Gottes nachdenken, müssen wir uns auch über seine Gerechtigkeit unterhalten. Oft wollen die Menschen Gott in Schutz nehmen und verteidigen Ihn. Was aber wäre eigentlich „richtig“, was wäre gerecht?

Was hatte Isaak verdient? Zu leben oder zu sterben? Wann immer wir lautstark Gerechtigkeit fordern müssen wir aufpassen, was wir eigentlich sagen! Was haben wir denn verdient? Wir sind alle Sünder, auch damals Abraham und Isaak!

So hart es klingt, aber weder Abraham noch Isaak hätten sich beschweren dürfen. Sie waren beide Sünder, und wir sind es heute auch. Wenn Gott allein gerecht wäre, wären wir alle verloren und müssten alle in die ewige Verdammnis. Aber das lehrt uns die Bibel und die Geschichte von Isaak, dass Gott einen Weg der Vergebung schenkt: Die Strafe liegt auf dem Lamm. Das Lamm wird getötet und nicht wir!

Was also leuchtet auf in der Geschichte? Nicht die Grausamkeit Gottes, sondern seine Gnade! Wir schauen nicht auf Isaak, sondern auf das Lamm! Auf Jesus Christus!

„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.“ - Johannes 3:16

Wir alle kennen diesen Vers. Wir verstehen hoffentlich alle, dass Jesus Christus als Opfer für unsere Sünden starb. Aber hier steht noch mehr: Gott „gab seinen eingeborenen Sohn“. An anderer Stelle steht geschrieben: Er „verschonte ihn nicht“. (Römer 8:32) Den Isaak hatte Gott hier verschont, aber seinen eigenen Sohn am Kreuz nicht! Stellen wir uns doch einmal die Gefühle des Abraham vor, die er letztlich eben nicht durchleben musste. Gott der Vater aber hat sie durchlebt. Er gab seinen Sohn für uns, haben wir darüber schon einmal nachgedacht? Aus Liebe zu uns, damit wir gerettet sind...

Schlussgedanken

Ich möchte die Aussage der Predigt auf den Punkt bringen. Nicht, dass wir wie Abraham nun bereit sein sollten, unsere Kinder in irgendeiner Form zu opfern. Das wäre „Thema verfehlt“.

Stattdessen sollten wir verstehen, was damals passierte und wie es später auf Golgatha seine biblische Erfüllung fand. Die ganze Geschichte ist deshalb nur vom Ende her zu verstehen. Das Wichtigste ist nicht, dass Abraham gehorsam war (obwohl das sicher auch wichtig ist). Das Entscheidende ist, dass nicht Isaak sondern das Lamm von Gott ersehen war, an seiner Stelle geopfert zu werden!

Das Prinzip der Stellvertretung lehrt die ganze Bibel. Hier ein Bild dazu:


Die Geschichte von der Prüfung Abrahams ist das Evangelium im AT, und es betrifft uns ganz persönlich. Schau auf Jesus Christus! Er ist das Lamm Gottes, und wir dürfen leben!

Amen.

 

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